Frontalunterricht oder Konstruktivismus?

Ob der Frontalunterricht oder der Konstruktivismus die bessere Lehrmethode ist, kann nicht mit ja oder nein beantwortet werden. Natürlich, Kontruktivistisches Arbeiten scheint bei den Schülern als Lernmethode gut zu funktionnieren und dieses sollten beim Unterrichten an oberster Stelle stehen. Das heisst, das Ziel einer jeder Lehrperson sollten die Schüler sein und die angemessene Methode, wie diese am besten lernen. Das deutet sehr stark auf einen individualisierten Unterricht hin, da jeder Schüler ein eigenes Lehrverhalten hat (das sich aber nicht immer als das für sie geeignete auszeichnet). Diese Individualisierung lässt sicht nicht mit dem Frontalunterricht vereinen. Im Konstruktivismus aber, können sich die Schüler im von der Lehrperson vorgegebenen Rahmen frei bewegen: die Schüler bestimmen ihr Lerntempo, ihre Lernmethode, eventuell auch die Art wie sie vorgehen (Individualarbeit, Gruppenarbeit, etc). Sie erarbeiten sich ihr Thema selbstständig, die Lehrperson agiert als Coach, der sich zur Verfügung stellt, weiterzuhelfen, aber keine fertigen Lösungen präsentiert. Dass die Schüler auf diese Weise gut lernen, scheint verständlich, da sie selbstständig vorgehen können. Dennoch braucht diese Methode ein sehr grosses Zeitkontingent, das nicht immer vorhanden ist. Deshalb scheint es meiner Meinung nach auch vertretbar, von Zeit zu Zeit eine Unterrichtssequenz im Frontalunterricht zu erarbeiten. Dabei lernen die Schüler, still zu sitzen und einer anderen Person zuzuhören; das sollte nämlich auch gelernt werden, sonst haben sie später damit Schwierigkeiten. Die Arbeitswelt ist nämlich nicht immer konstruktivistisch. Und sollte die Schule nicht auf die Arbeitswelt oder auf weiterführende Schulen ausbilden? („Non vitae, sed scholae discimus“) (Such policies hinge on reliable information on how well education systems prepare students for life, Seite 4). In Firmen können die Arbeitenden nicht immer nur das machen, was ihnen Spass macht, sondern viel mehr die Arbeit, die ansteht. Auch wenn diese sich oft wiederholt. An den Hochschulen, sei es Universität oder Fachhochschulen werden die Vorlesungen – wie der Name bereits sagt – im Stile des Frontalunterrichts gegeben. Der Professor teilt sein Wissen mit, da werden von den Studenten nur Notizen genommen.

Sich radikal gegen Frontalunterricht zu stellen, finde ich persönlich falsch, dennoch sollte die Mehrheit des Unterrichts unter dem konstruktivistischen Stern stehen.

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Frontalunterricht oder Konstruktivismus?

  1. Markus schreibt:

    Auf zwei Deiner Aussagen möchte ich gerne eingehen.
    Du schreibst: „Natürlich, konstruktivistisches Arbeiten scheint bei den Schülern als Lernmethode gut zu funktionieren und dieses sollten beim Unterrichten an oberster Stelle stehen. Das heisst, das Ziel einer jeder Lehrperson sollten die Schüler sein und die angemessene Methode, wie diese am besten lernen.“

    In der Tat muss und sollte man sich überlegen, auf welcher Schulstufe wir den konstruktivistischen Lehransatz anwenden. Ich selber Unterrichte an einer KV-Schule auf Niveau E und BMS. Wenn ich nun meine Schüler betrachte, zu denen ich wahrlich ein hervorragendes Verhältnis pflege, dann ist der konstruktivistische Ansatz bisweilen sehr schwer umsetzbar.

    So ist etwa das Leistungsgefälle, wie die Schüler aus der Sekundarstufe I kommen, bisweilen sehr gross, das Klassengefüge damit recht heterogen und die Motivation ebenfalls nicht immer riesig; die Freude am Lernen lernt man eher früher und nicht im Alter in und nach der Pubertät. Diese Schüler haben zudem einen anderen Fokus und sind schon sehr fest auf das Berufsleben ausgerichtet und „müssen“ nun in die kaufmännische Schule gehen, um ihren Lehrabschluss zu erhalten. Zudem bekommen Sie Druck von den Lehrbetrieben. Der Nährboden für einen friedlichen, konstruktivistischen Unterricht ist damit weniger gegeben und manchmal nur ein frommer Wunsch.

    So sehr ich auch die konstruktivistischen Ansätze begrüsse – ich bin der Meinung, dass in den jüngeren Schülerjahren und auf gymnasialer Stufe weitaus mehr damit erreicht werden kann -, so sehr lerne ich aus der Erfahrung, dass ein stärker frontal ausgeprägter Unterricht an der Art Schule, an der ich unterrichte effizienter ist und auch die Schüler mehr davon profitieren. Deshalb stimme ich sehr jener Aussage zu, bei welcher Du folgendes sagst:

    „Dennoch braucht diese Methode ein sehr grosses Zeitkontingent, das nicht immer vorhanden ist. Deshalb scheint es meiner Meinung nach auch vertretbar, von Zeit zu Zeit eine Unterrichtssequenz im Frontalunterricht zu erarbeiten. Dabei lernen die Schüler, still zu sitzen und einer anderen Person zuzuhören; das sollte nämlich auch gelernt werden, sonst haben sie später damit Schwierigkeiten. Die Arbeitswelt ist nämlich nicht immer konstruktivistisch.“

  2. Bettina Lassen schreibt:

    Ich habe ähnlich Erfahrungen gemacht: Die Lernenden einer Berufsschule sind es nicht gewohnt, konstruktivistisch zu arbeiten.
    Allerdings können sie nur durch selbstbestimmtes Lernen die nötigen Kompetenzen erwerben. Viele Arbeitgeber wünschen sich selbständig denkende und handelnde Mitarbeiter. Soziale Kompetenz steht zurzeit sehr hoch im Kurs! Auch an den Universitäten braucht man geeignete Lernstrategien und Eigenmotivation um ein Studium erfolgreich abzuschließen. Wie würden wir dieses Studium schaffen, wenn wir es nicht gewohnt wären, selbständig zu arbeiten und uns in neue Themen einzuarbeiten? Nur den Vorlesungen zu folgen, führt nicht unbedingt zu einem guten Abschluss.
    Aber in einem gebe ich Dir Recht: Der Unterricht in einer Berufsschule eignet sich nicht unbedingt dazu, die nötigen Kompetenzen für einen offenen Unterricht zu trainieren. Die Schüler müssten schon in der Sekundarschule an diese Kompetenzen herangeführt werden.
    Zum Schluss möchte ich noch kurz ein Projekt vorstellen
    Im Jahr 2006 lernten die Schüler eines Gymnasiums in Wetzikon, einem Vorort von Zürich, ein halbes Jahr lang ohne Lehrer. Zum Schuljahresbeginn wurden die Schülerinnen und Schüler mit dem gesamten Lernstoff des Halbjahres versorgt. Einmal die Woche hatten sie die Möglichkeit, eine Stunde pro Fach Fragen zu stellen. An welchen Ort und in welcher Sozialform gelernt wurde (allein oder in Gruppen), blieb ihnen freigestellt.
    Ergebnis: Insgesamt sind die Noten leicht besser geworden, ein großer Fortschritt wurde aber vor allem bei dem Erwerb von Selbstlernfähigkeiten festgestellt. Dies wurde als beste Vorbereitung für ein Studium bewertet.
    http://www.rp-online.de/beruf/bildung/Die-Schule-ohne-Lehrer_aid_330361.html

    Bettina

  3. simras schreibt:

    Ob die Unterrichtsmethoden eher Lehrer- oder Schülerzentriert, eher frontal oder konstruktivistisch gewählt werden hängt meiner Meinung nach in erster Linie von den Ressourcen der Lehrperson und den Präferenzen der Lernenden ab: Was liegt dir besser, wo fühlst du dich wohler? Welche Art von Unterricht macht den SchülerInnen am meisten Spass? Wie lernen sie am besten? Ein guter Lehrervortrag kann die Lernenden kognitiv und affektiv anregen, während eine selbständige Arbeit keine Anknüpfungspunkte bei den Lernenden finden kann und sich die SchülerInnen allein gelassen fühlen. Wichtig erscheint mir, die Lernenden als Didaktiker im Unterricht zu integrieren und sie bei der Planung der Lernmethoden partizipieren zu lassen.
    Neue Formen des Lehrens und Lernens sollten nicht von der Methodik abhängen sondern im Bewusstsein aller Beteiligter beginnen, dass Wissen zwar perzeptiv vermittelt werden kann, die Einsichten aber selbst konstruiert werden müssen. Jeder Lernende (auch die Lehrperson) sollte die Möglichkeit haben sich viables Wissen aneignen und wiedergeben zu dürfen. Eine einseitige Vermittlung von Inhalten die von den Lernenden entweder als richtig oder falsch abgefragt werden, scheint immer noch weit verbreitet zu sein.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s